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Der Bauchbahnhof

Was den Wutbürger antreibt und was ihm fehlt - Abgesang auf eine vermeintliche Demokratiebewegung von Lothar Galow-Bergemann und Markus Hofmann

 

Vorbemerkung   von Heinz M. Merkel 

Der politischen Linken in der BRD (und damit meine ich nicht nur die Partei DIE LINKE) ist schon lange ihr "revolutionäres Subjekt" abhanden gekommen. Proletkult ist also nicht mehr angesagt. Auch wenn einige Sektierer (auch innerhalb der Partei) das immer noch nicht wahrhaben wollen: Die "Arbeiterklasse" ist (zumindest subjektiv) gegenwärtig nicht mehr existent. Das hat sich im vergangenen Jahr auch noch einmal deutlich gezeigt, als der vorhergesagte "Heiße Herbst" - trotz Wirtschafts- und Finanzkrise, weiterhin hoher Arbeitslosigkeit, Ausweitung prekärer Arbeitsverhältnisse usw. - schlicht ausblieb.

Eine "linke", d. h. eine emanzipatorische, auf die Humanisierung und Demokratisierung der Gesellschaft ausgerichtete Politik muss heute zweifelllos in die "Mitte" eben dieser Gesellschaft" hineinwirken, wenn sie erfolgreich sein will. Sie muss hierbei auch wesentliche Teile der Bevölkerung ansprechen, die sich selbst zum "Mittelstand" rechnen.

Kann das aber heißen, dass wir uns kritiklos an alles dranhängen, was nach "Bewegung" aussieht, wie dies die Linke bei der Anti-AKW-Bewegung nach "Fukushima" und insbesondere auch bei "Stuttgart 21" (vergeblich!) versucht hat?

Lothar Galow-Bergemann und Markus Hofmann sind in der Januar-Ausgabe der Zeitschrift "Konkret" dieser Frage nachgegangen. Ihr Versuch einer Soziologie des "Wutbürgers" ist lesenswert, da er im konkreten Zusammenspiel sozial-ökonomischer Interessenlagen und psychologischer Mechanismen auch deutliche reaktionäre und gefährliche Tendenzen aufzeigt: Der in der vordergründigen "Wut" zutrage tretende Angst- und Abwehrmechanismus zielt vielfach letztlich auf das Verteidigen bestehender Verhältnisse und "Werte" ab. Durchaus auch im Sinne der Wahrung von Besitzständen und Privilegien. Er wirkt aus dem Bauch heraus - und nicht aus dem Kopf.

Daher steht auch an erster Stelle nicht das kritische Hinterfragen der Auswirkungen von ökonomischen Strukturen und gesellschaftlichen Verhältnissen sondern die Suche nach den "Schuldigen" .....

 

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Lohn der Angst?

Kommentar zur "grünen" Märzwahl

Angst- auch berechtigte - treibt gelegentlich schlimme Blüten. Wenn wir etwa daran denken, wie die Existenzängste des von der kapitalistischen Krise bedrohten Kleinbürgertums für den Faschismus instrumentalisiert werden konnten. Angst vor einer nuklearen Katastrophe war zweifellos eine wesentliche Ursache  für jenem Tsunami an grünen Wählerstimmen, der am vergangenen Sonntag die Wahlurnen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und in Hessens Kommunen überschwemmt hat.

Um hier nicht falsch verstanden zu werden. Ich will diese zur Öko-FDP mutierte frühere "Umwelt- und Friedenspartei", die von Konzernen (wie BMW) mittlerweile ordentliche Parteispenden erhält, nicht mit den Nazis vergleichen, auch wenn sie zum wiederholten Mal die Kriegstrommel rührt (nach Jugoslawien und Afghanistan nun gegen Libyen). Dennoch ist es erschreckend, dass diese Signale von den Wählern offensichtlich überhört und ausgeblendent wurden. Ebenso, wie anscheinend Hartz IV, die Liberalisiserung der Finanzmärkte, die forcierte Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums von unten nach oben infolge der Steuerreformen von "Rot/Grün", bis hin zu den Verstrickungen von Cem Özdemir in die Hunzinger-Affäre, in Vergessenheit geraten sind. Eben all jene großen und kleinen politischen Schweinereien, die unter Schröder/Fischer stattgefunden haben oder eingeleitet wurden.

Nach meiner Auffassung sind diese Fakten im Bewußtsein vieler Wähler gar nicht (bei manchen nicht mehr) vorhanden. Man nimmt "Grüns" wie sich diese "marktwirtschaftlich orientierte" Schicki-Micki-Partei mittlerweile in ihren Publikationen modisch selbst bezeichnet, immer noch über die Sonnenblume war, die - natürlich neu gestylt - von den ebenso modisch-schicken Wahlkampfschals prangt. Mit diesem anachronistischen Bild einer Ökologie- und Anti-Atom-Patei im Hinterkopf wollte eine durch die verheerende nukleare Katastrope in Japan verunsicherte Wählerschaft über ihr massenhaftes Votum für Bündnis90/Die Grünen ein deutliches Signal setzen - zumindest beim alles überlagernden Thema Kernkraft.

Hierbei nimmt man den Grünen ihren plakativ nach außen dargelegten und geschickt vermarkteten Mix aus Gutmenschentum und infantiler Unschuld ab, hinter dem eine knallharte Interessenpolitik steht. Einmal den Arsch an die Heizung (und auf die Aufsichtsratssitze)  gekriegt, hat da manch früheres Schmuddelkind aus der Frankfurter Sponti-Szene gemerkt, dass es dort schön warm ist. Und um diese Besitzstände zu verteidigen und auszubauen, geht man dabei auch im wahrsten Sinne des Wortes schon mal über Leichen, wie die erste deutsche Kriegsbeteiligung seit 1945 bei der Installation eines rassistischen Mafia-Regimes im Kosovo unter "Rot/Grün" gezeigt hat.Und bei der Sicherung der libyschen Ölreserven (im Namen von "Zivilgesellschaft" und Menschenrechten natürlich) will man - staatsmännisch wie man geworden ist - auch nicht abseits stehen. Wie standhaft diese Truppe im Zweifelsfalle den knallharten Interessen der "Wirtschaft" gegenüber in der Atomfrage bleibt - darüber braucht man eigentlich nach allen gemachten Erfahrungen nicht groß zu spekulieren. Soviel zu den Fakten.

Was bedeutet dieses Wahlergebnis aber für uns? Wir müssen die Ängste der Menschen ernst nehmen und die ökologische Frage stärker als bisher in den Fokus unserer politischen Arbeit stellen. Wir müssen dies aber offensiv tun und uns nicht an Entwicklungen "dranhängen" wie dies in der Öffentlichkeit aktuell als Eindruck herübergekommen ist. Es gilt aufzuzeigen, wie die ökologische Frage mit der sozialen Frage zusammenhängt und deutlich zu machen, dass man nicht über Ökologie reden kann, wenn man vom Kapitalismus schweigt.

Dies bedeutet aber auch, dass man die Frage nach den Adressaten unserer politischen Arbeit neu aufwerfen und über eine Erweiterung nachdenken muss, die auch "bürgerliche Mittelschichten" (und solche die sich dazurechnen) nicht ausschließt. Wenn auch Angst- und Wutbürger gelernt haben, die richtigen Fragen zu stellen und gesellschaftliche Zusamenhänge zu begreifen, sind wir ein ganzes Stück weiter. Bis dahin ist noch einiges zu tun.

H. M. M.


 

„Kopf hoch und den aufrechten Gang wagen!“

Genosse Dr. Hans Jennes (KV Hochtaunus)

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Das Kartell

Vom Umgang der Medien mit der Partei DIE LINKE im hessischen
Landtagswahlkampf 2009 - Von Achim Kessler

"In keinem anderen Wahlkampf haben die Medien derart massiv und offensiv gegen DIE LINKE agiert wie in diesem Landtagswahlkampf in Hessen.[...]"

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